Welche Kosten entstehen durch Krankenstände?
Nicht immer ist im Unternehmen klar, welche Kosten durch erkrankte Mitarbeiter:innen und somit Krankenstände entstehen. Dass neben direkten Kosten in Form von Lohnfortzahlungen auch indirekte Kosten, z.B. Ausfall von Wertschöpfung, Vertretungskosten, Qualitätseinbußen, eine Belastung für das Unternehmen sein können, wird oftmals erst bewusst, wenn es bereits zu spät ist. In diesem Blogartikel geben wir eine detaillierte Übersicht über potenzielle und allzu reale Kosten, die aufgrund von Mitarbeiterausfällen entstehen sowie aufschlussreiche Statistiken und Zahlen der letzten Jahre zu Krankenständen in Österreich. Mit diesem Wissen erhalten Sie bereits mehr Planbarkeit und können präventive Maßnahmen zum Wohle Ihres Teams ergreifen.

Was sind Krankenstandstage?
Als Krankenstandstage bezeichnet man die Anzahl, der im Laufe eines Jahres durch Krankheit, Unfall oder stationären Kur-(Erholungs-,Reha-)aufenthalt bedingten Ausfallzeit.
Wer wegen einer Krankheit oder eines Unfalls seinen Beruf nicht ausüben kann, kann in Krankenstand gehen. Für einen Krankenstand ist notwendig, dass ein Arzt oder eine Ärztin die Krankheit und die damit verbundene Arbeitsunfähigkeit feststellt. (Quelle: gesundheitskasse.at )
Wann spricht man von Langzeitkrankenstand?
Ein Langzeitkrankenstand wird definiert als Mitarbeiter-Ausfallzeit ab 43 Tagen und länger.
Folgende Grafik veranschaulicht Krankenstände und -tage nach Dauer und Fällen im Jahr 2019 in Österreich:
Zum Vergleich: Sogenannte Kurzzeitkrankenstände bis 3 Tage machen 41,7% aller Krankenstände aus und 6,8% aller Krankenstandstage.
Kurz- und Langzeitkrankenstände im Überblick
Dauer des Krankenstands | Anteil der Fälle | Anteil der Krankenstandstage |
---|---|---|
Kurzzeit (bis 3 Tage) | 41,7 % | 6,8 % |
Langzeit (> 43 Tage) | 3,4 % | 39 % |
Wie viele Krankenstandstage fallen in Österreich an?
Die durchschnittlichen Krankenstandstage eines bzw. einer Angestellten beliefen sich im Jahr 2019 auf 13,3, während diese Zahl im Jahr 2020 12,7 betrug.
Von den 3,72 Millionen unselbständig Beschäftigten in Österreich (2019) sind aber rund 30-35% gar nicht im Krankenstand (diese Fälle umfassen auch die nicht ärztlich bestätigten Krankenstandstage) gewesen.
Den anteilig größten Teil der Krankenstandstage betrifft die Gruppe der Langzeitkranken (>43 Tage). Hier verursachen 3,4% der Fälle rund 39 % aller Krankenstandstage. Hinzu kommt noch die Gruppe der länger oder häufiger Erkrankten mit 30-43 Tagen, die wir auf rund 2,8% aller Fälle schätzen – diese Gruppe verursacht nach unserer Schätzung weitere 14% aller Krankenstandstage. Das bedeutet vereinfacht und gerundet dargestellt: ca. 6% der Beschäftigten verursachen 50% aller krankenstandsbedingten Kosten!

Warum Krankenstände Unternehmen teuer zu stehen kommen
Krankenstände sind für Arbeitgeber:innen in Österreich ein relevanter Kostenfaktor. Jährlich entstehen durch krankheitsbedingte Fehlzeiten sowohl direkte Kosten wie Entgeltfortzahlungen als auch indirekte Kosten wie Produktionsausfälle, Vertretungskosten und Wissensverlust. Ein gezieltes Fehlzeitenmanagement kann dazu beitragen, diese Kosten zu kontrollieren und die Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten. Doch wie hoch sind die tatsächlichen Kosten, und was können Unternehmen dagegen tun?
Direkte Kosten: Entgeltfortzahlung für Arbeitgeber
Entgeltfortzahlungen, auch Lohnfortzahlung, sind Fortzahlung des Arbeitsentgelts bei krankheits- oder unfallbedingter Arbeitsunfähigkeit eines bzw. einer Arbeitnehmer:in. Die Regelungen sind im Entgeltfortzahlungsgesetz festgehalten.
Während eines Krankenstands sind Arbeitgeber:innen gesetzlich zur Entgeltfortzahlung verpflichtet. Die Dauer richtet sich nach der Länge des Dienstverhältnisses:
Dauer des Arbeitsverhältnisses | Volles Entgelt | Halbes Entgelt |
---|---|---|
Bis 1 Jahr | 6 Wochen | 4 Wochen |
2 bis 15 Jahre | 8 Wochen | 4 Wochen |
16 bis 25 Jahre | 10 Wochen | 4 Wochen |
Ab 26 Jahren | 12 Wochen | 4 Wochen |
Bei einem Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit verlängert sich dieser Anspruch auf bis zu 10 Wochen volles Entgelt pro Anlassfall.
Im Jahr 2019 summierten sich die Kosten für Entgeltfortzahlungen auf 3,5 Milliarden Euro. Zusätzlich wurden von der ÖGK (Österreichische Gesundheitskasse) 844 Millionen Euro an Krankengeld ausbezahlt. Zusammen ergibt das direkte Kosten von 4,3 Milliarden Euro, was etwa 1 % des österreichischen BIP entspricht.
Mehr zum Thema Entgeltfortzahlungen erfahren Sie in unserem Blogartikel „Entgeltfortzahlungen im Krankenstand in Österreich“.
Indirekte Kosten: Mehr als nur Entgeltfortzahlung
Neben den direkten Kosten entstehen auch indirekte Kosten, die oft nicht sofort sichtbar sind:
- Produktionsausfälle durch fehlende Arbeitskraft.
- Vertretungskosten für Überstunden oder Zeitarbeitskräfte.
- Qualitätseinbußen durch Arbeitsüberlastung oder weniger erfahrene Ersatzkräfte.
- Motivationseinbußen im Team aufgrund zusätzlicher Arbeitslast.
Diese indirekten Kosten werden auf weitere 3 bis 6 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
Beispiel: Berechnung der verursachten Kosten durch Krankenstände
Für einen durchschnittlichen erfahrenen Facharbeiter mit einem Bruttogehalt von ca. € 3.300,- (KV allg. Gew./VWGr.4/>10J Berufserfahrung) beträgt alleine die Entgeltfortzahlung bis zu € 11.500,- pro Dienstjahr – dazu kommen noch die Wertschöpfungsverluste in ähnlicher Höhe.
Zum Beipsiel kostet eine vergleichbare Personalleasingkraft als Vertretung für den gesamten Zeitraum (nicht nur die Entgeltfortzahlungsperiode) rund € 4900,- pro Monat. Das bedeutet, dass für diesen Facharbeiter die krankenstandsbedingten Kosten, inklusive Wertschöpfungsverlusten, rund € 23.000,- pro Jahr betragen.
Diese Berechnung lässt, trotz einiger Schwankungsbreiten in Bezug auf Altersgruppen, Branchen, Konjunkturzyklen und nicht zuletzt eine eventuelle Pandemie aber schon klar erkennen:
- Unser größtes Potential zur Einsparung von direkten fehlzeitenbedingten Kosten besteht in dieser Gruppe der Langzeit– oder längeren bzw. häufigen Krankenstände.
- Der größte Bedarf an betrieblicher Unterstützung für MitarbeiterInnen mit gesundheitlichen Problemlagen findet sich ebenfalls in dieser Gruppe.

Wie Fehlzeitenmanagement Kosten reduzieren kann
Ein gezieltes Fehlzeitenmanagement hilft, Ursachen für Fehlzeiten zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu setzen. Dazu gehören:
- Präventive Gesundheitsförderung wie Sportprogramme oder ergonomische Arbeitsplatzgestaltung.
- Frühzeitige Unterstützung bei wiederkehrenden Fehlzeiten.
- Systematische Analyse von Fehlzeitmustern, um frühzeitig Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Erfolgreiche Unternehmen berichten von einem Return on Investment (ROI) von bis zu 294 %. Das bedeutet: Jeder investierte Euro in Fehlzeitenmanagement zahlt sich mehrfach aus!
Erfahren Sie mehr darüber, wie Sie mit gezieltem Fehlzeitenmanagement langfristig die Kosten & Fehlzeiten senken können: „Fehlzeitenmanagement: Senken Sie Kosten und steigern Sie die Mitarbeiterzufriedenheit“.
Was bedeutet die Erkrankungsquote?
Die Erkrankungsquote ist der Anteil der Versicherten, die im Laufe eines Kalenderjahres mindestens einmal im Krankenstand waren. Laut statistik.at schwankte die Erkrankungsquote im vergangenen Jahrzehnt zwischen 60 % und 65 %.
Dies bedeutet, dass jährlich etwa sechs von zehn Versicherten mindestens einmal wegen Krankheit oder Unfall als arbeitsunfähig gemeldet sind.
Fazit
Die verursachten Kosten für längere Krankenstände setzen sich aus direkten Kosten (z.B. Entgeltfortzahlung, Krankengeld), indirekten Kosten (z.B. Wertschöpfungsverluste wie Umsatzentgang, Überstunden und Kosten der Überforderung bei Kolleg:innen oder Kosten für Personalleasing) und Folgekosten (z.B. Know How Verlust, erneutes Recruiting) zusammen.
In der Quantifizierung stellt sich oft eine Gleichverteilung der drei Bereichen heraus – mit dem einen Unterschied: unmittelbar messbar sind oft nur die direkten Kosten, die indirekten und Folgekosten werden bei der Bewertung oft außer Acht gelassen.
Eine effiziente Lösung bietet im Fehlzeitenmanagement an. Mit einem ROI von 294 % (laut unserem laufenden Projektcontrolling) rentiert sich der Mitteleinsatz für Fehlzeitenmanagement oft bereits im ersten Jahr. Die Know-how Sicherung im Betrieb und der motivierte Einsatz Ihrer Mitarbeiter:innen zeigt sich nachhaltig in gesteigerter Produktivität und im Unternehmenswachstum.
Bei Interesse können Sie auch gerne einen Termin mit uns vereinbaren. In einem unverbindlichen Erstgespräch beraten wir Sie zu Ihrem Mehrwert mit Fehlzeitenmanagement. Gemeinsam finden wir heraus, welches Potenzial für Ihr Unternehmen besteht und wie Sie Kosten ab sofort senken können. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!
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